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Ryan der Imperator

Ryan ist weder Held noch Prophet noch Erlöser.

Er ist der Imperator, ein Mann, der seit tausend Jahren lebt und ganze Welten seinem Willen unterworfen hat. Er hat Kulte zerschlagen und selbst Wesen bezwungen, die ganze Völker als Götter verehrten. Wo immer seine Herrschaft reicht, ist das Zeichen des Atoms zu sehen. Es steht für eine Wissenschaft, die den Aberglauben niederwirft, und zugleich für seine Macht.

Doch irgendwann wurde seine eigene Größe zu einem Gefängnis.

Umgeben von Macht, Technologie und Gehorsam fand er keinen Grund mehr zu leben. Jeder Sieg verlor seinen Reiz, und selbst seine mächtigsten Feinde wurden bedeutungslos.

Seit Langem lebt er zurückgezogen in seinem Turm, fern von Kriegen, Bündnissen und Ruhm. Abgeschnitten vom Lärm der Zivilisation überlässt er anderen die Führung seines Imperiums, während sein Name auf Bannern, an Monumenten und in öffentlichen Verkündungen weiterlebt.

Mit der Zeit begannen seine Untertanen sogar an seiner Existenz zu zweifeln. Einige glauben, der wahre Imperator sei bereits vor Jahrhunderten gestorben. Andere glauben, es habe ihn nie gegeben. Er sei nur eine von den Oligarchen erschaffene Maske, die das Imperium zusammenhalten soll.

Die Portale

Die Portale verbinden einige hundert Planeten, die über das gesamte Universum verstreut liegen. Niemand weiß, wer sie erschaffen hat. Man nimmt jedoch an, dass sie das Werk einer Zivilisation sind, die bereits vor Millionen von Jahren unterging. Sie bestehen aus einer unbekannten Legierung, die selbst extremsten Temperaturen standhält und weder Verschleiß noch dem Lauf der Zeit unterworfen ist.

Entdeckt wurden diese Übergänge an den unterschiedlichsten Orten, in Wüsten, in den Tiefen der Ozeane und zwischen den Ruinen uralter Städte. Jahrtausendelang blieben sie stumm. Keine Zivilisation war imstande, ihre Funktionsweise zu entschlüsseln.

Bis es den Bewohnern des Planeten Eshkar gelang, ihr Portal zu aktivieren.

Sie waren weder Eroberer noch technologisch überlegen. Sie waren einfach zu neugierig und zu hartnäckig, um ein ungelöstes Rätsel hinzunehmen. An dem Tag, an dem ihnen der Durchbruch gelang, erwachte das gesamte Netz der Portale. Die Portale der anderen Welten antworteten im selben Augenblick.

Plötzlich erfuhren Zivilisationen, die unvorstellbare Entfernungen voneinander trennten, dass sie miteinander verbunden waren. Auf das anfängliche Staunen folgten Handel, Verträge, neue Reiserouten, kultureller Austausch und Bündnisse. Doch diese Verbindungen blieben zerbrechlich und waren häufig von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Das Portalnetz brachte Wissen, Reichtum und Wunder hervor, aber auch Angst, Rivalität, Seuchen und Kriege. Es gehörte niemandem. Gerade deshalb versuchten die am stärksten militarisierten Zivilisationen, die Kontrolle darüber zu gewinnen.

In dieser Zeit war der junge Ryan zunächst nur einer von vielen Kriegsherren. Die mächtigsten Zivilisationen verfügten über blühende Welten, unermessliche Ressourcen und fest etablierte Streitkräfte. Ryan besaß wenig, doch er verstand es besser als jeder andere, das Wenige zu nutzen. Er hatte einen unstillbaren Ehrgeiz, dachte nüchtern und besaß ein außergewöhnliches Gespür für die Schwächen seiner Gegner.
Während die anderen Mächte nach Eroberungen strebten, traf Ryan eine andere Entscheidung. Er setzte alles daran, Eshkar zu befreien, das unter die Herrschaft einer der Großmächte geraten war. Seine Armeen verteidigten das Portal des Planeten, während er den Wissenschaftlern von Eshkar mit allem unterstützte, was ihm zur Verfügung stand.

Sie waren es, die erkannten, dass die Portale nicht nur weit voneinander entfernte Planeten innerhalb desselben Universums miteinander verbanden. Unter extremen Bedingungen, mithilfe komplexer Berechnungen und unter verheerenden Risiken, konnten sie Übergänge zu noch entlegeneren Regionen des Unermesslichen öffnen.

Dafür prägten sie den Begriff Universumsblasen. Gemeint waren Gebiete, die so weit voneinander entfernt lagen, dass selbst das Licht die Distanz zwischen ihnen niemals überwinden konnte. Sie lagen jenseits der Grenzen des beobachtbaren Universums, in Regionen, in denen selbst die Gesetze der Physik ihre Beständigkeit verloren.

Die Wissenschaftler öffneten instabile Übergänge zu einer dieser Blasen. Sie verloren Sonden, Instrumente und zahlreiche Menschenleben. Doch jeder Fehlschlag ergänzte die Karte des Unbekannten um ein weiteres Bruchstück.

Bis die Koordinaten schließlich zu einer fernen Welt namens Ashkarath führten.

Das Erkundungsteam, dem die Rückkehr gelang, berichtete vom Unmöglichen. Auf dem Planeten tobte ein Krieg, und eine ganze Welt hatte sich gegen ein einziges Wesen erhoben.

Ryan konnte der Versuchung nicht widerstehen. Er musste verstehen, wie ein Einzelner sich einem ganzen Planeten entgegenstellen und dennoch überleben konnte.

Er durchquerte das Portal.

Als er zurückkehrte, war er nicht mehr derselbe. Etwas in ihm hatte sich verändert. Sein Körper, sein Geist, selbst seine bloße Gegenwart schienen von einer neuen, unermesslichen und unerklärlichen Kraft durchdrungen.

Danach nahm der Krieg eine andere Gestalt an. Ryan begann, seine Armeen persönlich an vorderster Front anzuführen. Seine Rücksichtslosigkeit auf dem Schlachtfeld wurde zur Legende.

Niemand konnte erklären, wie sich sein Reich so schnell ausdehnen konnte oder woher seine Kräfte stammten. Innerhalb weniger Generationen fiel mehr als die Hälfte der an das Portalnetz angeschlossenen Zivilisationen unter sein Banner.

Von da an kannte man ihn nur noch unter einem Namen. Der Imperator.

Der Rat

Kein Reich kann allein vom Willen eines einzigen Wesens abhängen, selbst wenn dieses Wesen der Imperator ist. Deshalb gibt es den Rat des Imperiums.

Er tagt auf dem Planeten Teralis II und bildet das höchste Verwaltungsorgan des Reiches. An seinem Tisch sitzen Kommandeure, Strategen und Gouverneure aus verschiedenen Spezies.

Früher oder später landet dort alles, von Handelsrouten und Versorgungsketten bis zu rebellierenden Planeten, dynastischen Krisen und Kulten, die erneut ihr Haupt erheben.

Seine Mitglieder dürfen beraten, abstimmen, Einsätze anordnen und gewaltige Ressourcen in Bewegung setzen. Doch ihre Macht reicht nur so weit, wie Ryan es zulässt.

Er selbst hat die Mitglieder unter den Fähigsten des Imperiums ausgewählt. Er wollte sie kompetent, hart und intelligent, ehrgeizig genug, um ein Reich zu führen, und zugleich vorsichtig genug, um niemals zu vergessen, wer es erschaffen hat. Ihnen übertrug er die undankbarste aller Aufgaben. In seiner Abwesenheit sollten sie regieren, ohne sich der Illusion hinzugeben, ihn tatsächlich ersetzen zu können.

Sein Schatten liegt über jeder Sitzung. Solange der Imperator schweigt, handelt der Rat. Sobald er erscheint, werden alle Stimmen leiser.

Selbst jene, die ihn verachten ihn für einen Tyrannen und das Relikt eines blutigen Zeitalters halten, wissen, dass das Imperium noch immer nach seinem Willen geformt ist.

Helion Prime

Bevor Helion Prime zum Herzen des Imperiums wurde, war der Planet unbewohnbar. Endlose Flächen aus Staub und Fels, instabile Verwerfungen und die unerbittliche Glut des blauweißen Sterns Shedir bestimmten seine Oberfläche.

In der Ferne schimmerten die Meere wie Klingen, während Raubtiere, Sonnenstürme und eine schwache Magnetosphäre die Wahl dieses Planeten als Hauptstadt geradezu wahnsinnig erscheinen ließen.

Ryan wählte ihn genau deshalb.

Wo andere einen strategischen Fehler sahen, erkannte der Imperator ein Symbol. Helion Prime sollte zum endgültigen Beweis seines Willens werden. Eine Hauptstadt sollte dort entstehen, wo niemand gewagt hätte, überhaupt etwas zu bauen.

Mit der Zeit verwandelte sich der Planet in eine einzige gewaltige Megalopolis. Das Leben konzentrierte sich in einer riesigen Stadt, die sich entlang des gemäßigten Gürtels bis an die südlichen Eiskappen erstreckte. Ein Bienenstock aus Türmen, schwebenden Ebenen, Glaskuppeln, Luftbrücken und übereinandergeschichteten Vierteln, bewohnt von Milliarden.

Ryan verwandelte den Planeten in eines der kompromisslosesten Symbole seines Imperiums. Ordnung, Technologie, Macht und Kontrolle wurden hier bis an die Grenzen des Vorstellbaren getrieben.

Helion Prime ist nicht nur eine Hauptstadt. Es ist eine Kriegserklärung an die Grenzen, die die Natur setzt.

Der Ursprung des Imperators

Niemand kennt Ryans Herkunft wirklich. Es gibt weder eine verlässliche Chronik seines Lebens noch den Namen der Welt, auf der er geboren wurde.

Die wenigen Informationen, die nach außen drangen, bestehen aus Bruchstücken, halben Sätzen und niemals bestätigten Andeutungen. Sie erzählen von einer einst von Menschen bewohnten Welt, die durch mehrere Atomkriege verwüstet worden war. Eine Welt mit einem einzigen Mond, toten Ozeanen, skelettartigen Städten, unter Staub begrabenen Straßen und Monumenten, deren Bedeutung niemand mehr kannte.

Wer Ryan nach dem Ursprung seiner Kräfte fragt, bekommt von ihm immer dasselbe zu hören: »Das geht dich einen Scheißdreck an.«
Mehr sagt er nie.

Der einzige Zeuge dieser fernen Vergangenheit ist NOX, eine künstliche Intelligenz, die Ryan vor der Außenwelt abschirmt und in seinem Turm verborgen hält.

NOX ist das lebendige Gedächtnis von Ryans Herkunft und die einzige Stimme, der der Imperator wirklich zu vertrauen scheint.